(2.3) Die Hexe von der Kuhgasse

Früher ging es in der Gegend um den Haltenacher in Rumisberg oft nicht mit rechten Dingen zu und her. An der Haltenacherstrasse stellten sich die roten Hunde dem Wanderer in den Weg und etwas weiter oben, bei der Abzweigung in die Kuhgasse sollen Hexen ihr Unwesen getrieben haben.

Bei der Eiche, deren Aeste weit in die Farnererstrasse  hinausragen, musste ein böses Weib umhergeistern, weil es zu Lebzeiten mit verlogenem Gerede die Leute hintereinander gebracht hat.

In der Dämmerung und in klaren Nächten sah man sie hier als abschreckendes Beispiel an den Pranger, das heisst an die Eiche, gestellt.

Ein Bauer, welcher mit seinem Ross und Wagen Mehl in der Mühle Oberbipp abholte, fuhr der Strasse entlang nach Farnern. Man warnte ihn, etwa hundert Meter vor der Eiche abzusteigen und das Ross am Halfter zu führen, da es sonst scheuen und über den Weg hinausspringen könnte.

Nur mit gutem Zureden, Flattieren und Tätscheln war es möglich, das brave Ross an der verhexten Eiche vorbei zu führen! Ein Ungeheuer oder eine verhexte Frau konnte der Fuhrmann aber nirgends wahrnehmen.

In der heutigen Zeit, wo nur noch selten jemand mit einem Pferd an der Eiche vorbeikommt, ist nichts mehr von der verhexten Stelle zu verspüren.

Ist das Weib mit dem Lästermaul endlich erlöst worden oder sind wir nicht mehr fähig, solche „ungeheuerlichen“ Dinge und Orte zu fühlen?

Quelle: „Flueblüemli und Aarechisle“, Elisabeth Pfluger, SolothurnalHHhh

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