(2.1) Hans Roth – Retter von Solothurn

1382 erwies Hans Roth von Rumisberg der Stadt Solothurn einen grossen Dienst.

Auf Schloss Bipp regierte ein junger Graf, Rudolf von Kyburg. Er war verschuldet und sann daher darüber nach, wie er die reiche Stadt Solothurn einnehmen könnte.

Mit einigen Kameraden beriet er sich über einen möglichen Ueberfall. Hans von Stein, wohnhaft an der Ringmauer in Solothurn, wollte ihm behilflich sein, indem er in einer finstern Nacht Strickleitern über die Stadtmauern hinunterlassen würde. Am Abend vor Sankt Martinstag war es soweit. Im Gasthof „Schlüssel“ besprachen die Verbündeten Einzelheiten, achteten aber nicht darauf, dass hinter dem Kachelofen ein Bauer hockte, Hans Roth aus Rumisberg. Dieser spitzte seine Ohren, als er von einer Verschwörung hörte. Plötzlich wurde er entdeckt und man wollte ihn sogleich erstechen.

Hans Roth musste schwören, dass er keiner lebendigen Seele davon erzählen würde. Darauf liessen sie ihn springen. Er wollte es wagen, die Solothurner zu warnen. Da frisch gefallener Schnee lag, band er seine Holzpantoffeln verkehrt herum an; so schien es, als sei einer von Solothurn nach Wiedlisbach gegangen. Um Mitternacht gelangte er vors verriegelte Baseltor; einem Wächter durfte er nicht rufen, sonst hätte er seinen Schwur gebrochen. Darum wandte er sich an die Steinfigur am Tor:“ Du heiliger St. Urs, höre! Die Kyburger kommen, sie wollen die Stadt überfallen. Von Wiedlisbach her sind sie schon unterwegs!“

Der Torwächter hörte die laute Rede, schlug Alarm, ganz Solothurn erwachte und bewaffnete alle Türme, Tore und Wehrgänge. Die Kyburger vernahmen bereits vor den Toren der Stadt das Sturmgeläute und merkten, dass sie verraten worden waren. Wütend zündeten sie vor der Stadt Bauernhäuser an; ein Stosstrupp der Solothurner jagte die Frevler in die Flucht.

Der brave Hans Roth von Rumisberg aber, welcher sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt hatte, kam zu hohen Ehren. Zum Dank liess ihm die Stadt ein Kleid machen in den Standesfarben rot und weiss; zudem erhielt er einen Ehrensold .

Noch heute erhält der Aelteste seiner Nachkommen die Gaben. Bei allen Festanlässen und Feiern des Standes Solothurn ist Hans Roth als Ehrengast dabei.

So ist dafür gesorgt, dass sein gescheiter und mutiger Ahnvater von Rumisberg nicht in Vergessenheit gerät.

Quelle: „Flueblüemli und Aarechisle“, Elisabeth Pfluger, Solothurn

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