(1.5) Ein Teufelsvertrag

Das „Höch Chrüz“ ist ein prächtiger Aussichtspunkt, wo der Fussweg zum Hofbergli und zur Schmiedenmatt abzweigt. Hier auf Attiswiler Boden, nahe an der Grenze zu Günsberg stand einst ein Kreuz. Mit diesem Kreuz ist folgende Sage verbunden:

In der heutigen Teuffelen Alpweide – früher Flüeweid genannt – wuchs das kräftigste Gras und die besten Kräuter. Die Geissen und Rinder wurden satt und rund. Auf Haus und Hof lag der Segen Gottes; ihm wollte man dafür mit dem Erstellen eines Kreuzes hoch oben auf den Flühen danken. Bald wurde dieser Platz ein beliebter Ort für Attiswiler, Rumisberger und Farnerer, aber auch von Bewohnern vom Leberberg.

Auf die Flüeweid wurde ein neuer Senn verpflichtet, für den nichts als Geld zählte: „Geld regiert die Welt“ war sein Wahlspruch.

Um an Macht und Geld zu kommen, machte er mit dem Teufel einen Vertrag. Er setzte seine Seele ein gegen 7 Säcke Golddukaten, auszuzahlen an jenem Tag, an dem das Attiswilerkreuz  fallen würde.

Die gute Sennenfrau ahnte, dass ihr geldgieriger Mann etwas plante, er sprach davon in seinen Träumen. An einem nebligen Herbstmorgen machte er sich zu den Flühen auf. Gegen Mittag war im Dorf ein grosses Donnern zu vernehmen, zu sehen war nichts. Erst anderntags wagten sich mutige Männer hinauf, fanden unter dem gefällten „Höch Chrüz“ den toten Senn mit der Säge in den verkrampften Fingern.

Das also war des Teufels Dank für diesen Frevel, wozu er den Senn angestiftet hatte.

Die Männer wurden von Grausen gepackt und mieden lange den ehemaligen Standort des Kreuzes.

Seit diesem Frevel wich auch der Segen von der Flüeweid; es gab Erdrutsche, die Tiere bekamen Seuchen und starben. Die Attiswiler waren erbost und meinten:“ Der Teufel regiert dort oben. Man sollte die Weide besser Teufelsweid nennen.“

Es kamen wieder gute Jahre. Aber der Namen Teufelsweid, oder kurz gesagt „Teuffelen“ ist geblieben. Ein neues Kreuz wollten die Attiswiler nicht mehr errichten.

Nur der Name „Höch Chrüz“ ist für diesen schönen Flecken Erde bis heute erhalten geblieben.

Quelle: „Flueblümli und Aarechisle“, Elisabeth Pfluger, Solothurn

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