(1.4) Ein Goldgrüblein in der Teuffelen

In Attiswil stand einst in der Räbhalde, auf der Westseite vom Chänzihöfli, ein altes Strohhüttlein. Der Räbholdelipp, welcher hier mit zwei Geissen wohnte, schaute gut zu seinem Heimetli, sodass es immer aussah „wie putzt und gschläcket“.

Jeden Nachmittag verschwand Lipp in den Berg hinauf, und kehrte erst vor dem Einnachten wieder zurück. Es hiess, er habe im Wald oben ein Goldgrüblein entdeckt, das er nun in aller Heimlichkeit ausbeute.

Einst kam er in der Morgenfrühe ins Dorf hinunter, schwer beladen mit einem gefüllten Rucksack, verschwand im Berner Schachen und liess sich von der Fähre über die Aare setzen. Erst spät kehrte er mit einem leeren Sack am Rücken zurück.

Holdelipp kannte in Burgdorf einen Händler oder Goldschmied, welcher ihm den Schatz abkaufte. Dieser Käufer war aber ein bodenlos schlechter Mensch, der  unbedingt den Fundort kennen wollte. Holdelipp bewahrte das Geheimnis  für sich.

Daher heuerte der Händler zwei Vaganten an, welche die Goldgrube ausfindig machen sollten. Heimlich verfolgten sie Lipp auf seinem Gang, verloren ihn aber beim Lindemätteli aus den Augen. Als sie ihn überall vergebens gesucht hatten, beschlossen sie,  ihm bei der Rückkehr abzupassen.  Lipp traf am Goletenweg auf die zwei Vaganten, die ihm mit Erschlagen drohten, wenn er ihnen den Fundort nicht sofort zeige. Holdelipp versuchte voller Angst zu verhandeln und versprach ihnen Goldketten. Die Grobiane schlugen ihn jedoch nieder, bis er zusammenbrach. Alles Schütteln und Anbrüllen nützte nichts, Lipp blieb bewusstlos liegen. Da hörten die Vaganten ein wütendes Hundegebell, das immer näher kam. Kopflos rannten sie davon, einer fiel in der Finsternis am Mälcherweg in den Bach und ertrank, sein Kumpan konnte im Berner Schachen über die Aare entfliehen.

Auf dem Rottannenhof bellte der Hund weiterhin wie wild, sodass die Besitzer in den Wald hinauf stiegen. Dort fanden sie den übel zugerichteten Räbholdelipp, welcher mit letzter Anstrengung vom Vorgang erzählen und dem Rottannenbauern sein Geheimnis vom Goldgrüblein anvertrauen wollte. Es war ihm aber nicht vergönnt, den Satz zu beenden, in den Armen des Bauern überkam ihn erneut eine Schwäche und er starb.

Das Geheimnis nahm Holdelipp mit ins Grab. Viele Attiswiler haben seither in der Teuffelen nach dem Goldschatz gesucht.

Aber die Teuffelenweid ist gross! Gefunden hat das Gold noch niemand.

Quelle: „Flueblüemli und Aarechisle“, Elisabeth Pfluger, Solothurn

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